Ist der Trans-Hype unter Teenagern in Österreich noch voll im Gange? Das legt zumindest der Anfang Juni erschienene ORF-Artikel „Klinik: Ansturm auf Transgender Center“ nahe. Allerdings ist der aus einer trans-aktivistischen Perspektive geschrieben und kann eine zweite Sicht auf die getroffenen Aussagen gut vertragen.
Von etwa 900 Patienten in der Klinik und „erheblichen Wartezeiten von bis zu zwölf Monaten“ ist die Rede. Das klingt nach Ansturm. Wie zu jenen Zeiten, als die woke Welle auf ihrem Scheitelpunkt war, und als isolierte Teenager während Corona tage- und nächtelang durch die sozialen Medien geisterten. Hunderttausende junge Menschen mit seelischer Instabilität, vor allem Mädchen, fühlten sich weltweit vom Trans-Kult angezogen.
Es ist nun nicht so, dass die Österreicher der Zeit hinterherhinken, zumindest nicht um Jahre. Vielmehr handelt es sich beim „Transgender Center Innsbruck“ um eine Spezialklinik, die trans-affirmative Mediziner mehrerer Fachrichtungen im Haus versammelt. Das zieht jene Patienten an, die eine oft mehrere Monate oder gar Jahre dauernde psychiatrische Differenzialdiagnose und Psychotherapie vermeiden wollen.
Angebot schafft Nachfrage
Wo die Reise der Patienten stattdessen hingeht, wird zwischen den Zeilen deutlich: „Acht Fachbereiche, von Psychiatrie über die plastische Chirurgie, arbeiten zusammen, um Patientinnen und Patienten optimal zu betreuen und ein Leben lang zu begleiten.“ Die lebenslange Begleitung wird dann nötig, wenn Hormonersatz-Therapien, Trans-OP-Nachsorgen und Folgeerkrankungen das weitere Leben bestimmen. Also wenn massive und irreversible trans-medizinische Eingriffe vorgenommen werden.
Eine Klinik, die diesen Weg durch ihr medizinisches Angebot von vornherein anvisiert, wird natürlich nachgefragt von Jugendlichen, die sich selbst voller Überzeugung als „trans identifizieren“. Sind das immer noch so viele Teenager, dass „erhebliche Wartezeiten“ entstehen? Der Grund ist wohl eher, dass das Einzugsgebiet der Klinik mit Interessierten „aus ganz Österreich, Deutschland, Südtirol und der Schweiz“ ziemlich groß ist. Von den 900 Patienten seien ein Drittel minderjährig, heißt es zudem. Eine genaue Aufschlüsselung der Altersgruppen gibt es nicht.
Aussagekräftiger als der Fokus auf ein spezialisiertes Transgender Center wären Berichte aus den zahlreichen Gender-Ambulanzen in Deutschland, die während der Hochzeit des Trans-Kults in den Krankenhäusern eingerichtet wurden. Gibt es die alle noch und sind ihre Wartelisten immer noch so voll mit pubertierenden Mädchen wie vor vier, fünf Jahren, als der Begriff „Ansturm“ tatsächlich zutreffend war? Da es kaum offizielle Zahlen gibt, könnte ein vorsichtiges Fazit so lauten: Der Trans-Kult zeigt Schwächen, verschwindet aber nicht über Nacht.
Falschbehauptung zu Pubertätsblockern
Die Voreingenommenheit des Artikels, der eine große Nachfrage nach Transgender-Medizin erkennen will, zeigt sich auch in der Beurteilung der medizinischen Maßnahmen. So gebe es „mit ein bis drei Prozent eine extrem niedrige Rate von betreuten Menschen an der Klinik Innsbruck, die ihre Therapie bereuen“, erklärt das ORF. Unklar bleibt, wie viele Wochen, Monate oder Jahre nach der Geschlechtsangleichung die Patienten befragt wurden. Anzunehmen ist, dass die Patienten bald aus dem Blickfeld des Transgender Centers geraten und von Ärzten in ihrer Region betreut werden.
Die Zeiträume sind aber entscheidend, wenn man von Detrans-Quoten spricht. Einige Detransitioner, die ihre Transition bereits als Teenager in die Wege geleitet hatten und mit ihrer knappen Volljährigkeit die OPs hatten, realisieren ihre Fehlentscheidung erst weit jenseits ihres zwanzigsten Geburtstags.
Es folgt eine Falschbehauptung: „Geschlechtsangleichende Operationen werden ab der Volljährigkeit angeboten, Hormonblockaden, die rückgängig gemacht werden können, gibt es bereits im Kindesalter.“ Hormonblockaden können nicht gänzlich rückgängig gemacht werden, wie klinische Studien zeigen. Pubertätsblocker sind keine Pausetaste. Die Eingriff wirkt sich auch auf die Psyche aus. Fast alle so behandelten Kinder verstricken sich tiefer in ihre Transgender-Selbstwahrnehmung und gehen anschließend den Weg der Transition, während die Mehrheit der Kinder, die keine Pubertätsblocker erhielten, sich mit ihrem biologischen Geschlecht aussöhnen konnten.
Soziale Medien – Brandbeschleuniger des Trans-Kults
Halbwahrheiten und eigenwillige Interpretationen finden sich in jedem Absatz. „Social Media bringt mehr Offenheit und führt dazu, dass sich Menschen trauen, über ihre Identität nachzudenken“, meint Katharina Feil, die Leiterin des Centers. „Viele kommen zu der Einsicht, dass sie möglicherweise anders sind, als sie es sich bisher eingestanden haben.“ Deshalb würden „mehr Menschen die Möglichkeit in Betracht ziehen, ihre Geschlechtsidentität zu ändern.“
Soziale Medien spielten eine große Rolle bei der Entwicklung des Trans-Kults. Zur Corona-Zeit saugten unzählige Teenager mit psychiatrischen Vorerkrankungen (z.B. Depressionen, Angststörungen, sozialen Phobien, Mobbingproblemen und Autismusspektrumstörung) die Jubel-Vorher-Nachher-Videos von Trans-Influencern förmlich in sich auf. Sich anders zu fühlen als alle anderen, ist zudem nichts Ungewöhnliches während der Pubertät.
Die sozialen Medien waren also kein Katalysator, der, wie von Feil suggeriert, für mehr Offenheit sorgte und Geschlechtsdysphorie-Patienten einen letzten Impuls gab, sich zu ihrer Trans-Identität zu bekennen. Sondern Tiktok und Instagram waren ein Ideengeber für verunsicherte und psychisch belastete Teenager, und somit ein Brandbeschleuniger des Trans-Kults. Vor allem Mädchen mit pubertären Konflikten glaubten der Illusion von einer neuen Identität mit jedem Video immer mehr, bis sie sich in den Leidenswegen der Influencer irgendwann selbst wiederzuerkennen glaubten. Angeblich habe man mit einer Transition alle psychischen und sozialen Probleme hinter sich lassen können.
Trans-Identität ist Symptom nicht Ursache
Und noch einmal verdreht Feil die Dinge: Personen, die mit ihrer Geschlechtsidentität hadern, würden oft unter enormem psychischen Druck leiden, sagt Feil. Diese Menschen hätten eine hohe Rate an Depressionen und Suizidgedanken. „Das ist nichts, was jemand leichtfertig wählt“, erläutert die Klinik-Chefin.
Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Junge Menschen in anhaltenden pubertären Krisen oder mit diagnostizierten psychischen Erkrankungen leiden oftmals ursächlich an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und prägen entsprechende Symptome aus (Depressionen, Magersucht, suizidales Verhalten, Selbstverletzungen usw.). Hier ist auch die jugendkulturelle Selbstdiagnose „trans“ einzuordnen – eine Bewältigungsstrategie für tieferliegende psychische Probleme. Die Trans-Identität ist also in vielen Fällen das nachgelagerte Symptom einer vorausgehenden psychischen Erkrankung. Die jungen Patienten haben nicht Depressionen, weil sie „trans“ sind, sondern sie leiden an Persönlichkeitsstörungen, haben deswegen Depressionen und flüchten sich obendrein jugendkulturell motiviert in eine Trans-Identität.
Fatale Empfehlung für Eltern
Zuletzt gibt Feil den Eltern Empfehlungen, die dem Fortbestand ihrer Klinik zuträglich aber für die Kinder extrem schädlich sind: „Eltern sollten offen und unterstützend reagieren, wenn ihr Kind sich äußert und fragt, ob es im falschen Körper lebt. Offene Kommunikation und das Suchen nach fachlicher Hilfe sind entscheidend.“
Dem ist entschieden zu widersprechen. In einem Umfeld aus ideologisch indoktrinierten Schulen, woken Medien und trans-affirmativen Medizinern sind Eltern oftmals die letzte Bastion für den Schutz ihrer Kinder. Eltern sollten die seelische und körperliche Verstümmelung ihrer Kinder nicht „offen und unterstützend“ begleiten. Vielmehr sollten sie mit ihrem elterlichen Instinkt die zugrundeliegenden psychischen Probleme ihrer Kinder erkunden, die sich hinter den „trans“-Selbstdiagnosen verbergen: Ein offenes Ohr für die seelischen Konflikte statt Begleitung zur Trans-OP.

