„Zwei mal drei macht vier / widewidewitt und drei macht neune / ich mach mir die Welt / widewide wie sie mir gefällt“ sang Pippi Langstrumpf 1969. Bei kleinen Mädchen mag trotzige Infantilität niedlich sein. Problematisch wird es, wenn dieser Trotz in der Pubertät immer wütender und autoaggressiver wird, und die nicht mehr ganz so kleinen Mädchen alle Welt wissen lassen, wie sehr sich selbst ablehnen: „Ich will kein Mädchen mehr sein!“
Und gefährlich wird es, wenn Erwachsene in Pippis Trotz-Gesänge einstimmen und den Mädchen sagen: „Ja, es ist wunderbar, so wie du dich fühlst. Der liebe Gott hat dich eben als Transjungen erschaffen.“
Genau das macht die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau. Sie bestätigt junge Menschen rundheraus in ihrer Transgender-Selbstdiagnose und beruft sich dabei auch noch auf die Autorität Gottes:
„Nach evangelischer Überzeugung gehört ihre Lebensweise wie die aller anderen Menschen zur Vielfalt, in der Gott uns geschaffen hat. Trans- und Intersexualität sind, wie hetero- und homosexuelle oder queere Lebensformen, ein Teil der Schöpfung, von der es in der Bibel heißt: ‚Siehe, es war sehr gut‘.“
Der Mensch spricht, und Gott hört zu
Da machen sich die Evangelischen aus Hessen nicht nur die Welt, wie sie ihnen gefällt, sondern die Bibel gleich mit. Man muss kein Theologe sein, um zu wissen, dass der Weltenbaumeister Trans- und Homosexualität dem Menschen nicht als göttliche Vorsehung mit auf den Weg gegeben hat. Man stelle sich vor, jede menschliche Empfindung, Neigung und Begierde oder auch Selbstverleugnung sei von Gott gewollt, dann wäre die Kategorie „Sünde“ eine einzige große Leerstelle.
Wenn die Evangelischen aus Hessen sagen, alles ist Schöpfung, und alles ist gut, dann spricht der Mensch, und Gott hört zu. Begeistert ist er vermutlich nicht. Soweit unser laienhafter Ausflug in die Theologie. Und damit zurück in die Welt, die für die Betroffenen, die sich selbst als „trans“ wahrnehmen“, alles andere als einfach ist:
Verständlich der Reflex, die Welt ändern zu wollen, in der man sich unpassend fühlt. Toleranz und Akzeptanz werden eingefordert auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen, und die Evangelischen aus Hessen setzten sich begeistert an die Spitze.
Doch hilft man einem betroffenen Mädchen, wenn man ihm sagt, „Ja, du bist kein Mädchen“? Nein, man verstärkt nur sein Leiden. Denn in den meisten Fällen einer solchen Geschlechtsdysphorie im Jugendalter gehen der radikalen Selbstablehnung schwere Identitätskrisen, Depressionen, Ängste und vor allen Persönlichkeitsstörungen voraus.
Evangelische Jugendfreizeit für „Trans*-Kinder“
Es wäre nun tatsächlich die Aufgabe der Kirche, den Menschen anzunehmen wie er ist und ihm zu helfen mit all den zugrundeliegenden Problemen, die er im Gepäck hat, und nicht, seinem Genderwahn zu applaudieren. Die neue Trans-Identität zu bestätigen, die meist auf tiefen Verletzungen und Selbsthass beruht, ist hochgradig verlogen. Oder anders gesagt: Man macht es sich sehr einfach.
Die Evangelischen aus Hessen gehen beherzt den einfachen und verlogenen Weg und laden alle betroffenen Kinder und Jugendlichen dazu ein, mitzumarschieren. Und zwar in eine „Freizeit für Trans*-Kinder“ nach Lautertal (Mittelhessen), organisiert von „hin und weg – Evangelische Jugendreisen“ und dem pro-familia-Kreisverband Groß-Gerau. Die Freizeit richtet sich an „trans*, nicht-binäre und gender-questioning“ (ihr Geschlecht hinterfragende) Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 14 Jahren. Sie biete „einen Ort, an dem du dich wohlfühlen kannst – ganz egal, ob du schon lange weißt, dass du trans* bist oder dich gerade erst mit dem Thema Geschlechtsidentität beschäftigst“, heißt es in der Beschreibung. Die Betreuer kennten sich beim „Thema Geschlechtervielfalt“ aus und seien teilweise selbst „trans* und queer“.
Anstelle eines Psychologen, der die wenigen Lebensjahre und die dazugehörige Familie einmal genauer unter die Lupe nimmt, bekommen die Kinder einen „geschützten Rahmen“, in dem sie in ihrer Selbstdiagnose „trans“ durch eine „unterstützende Gemeinschaft“ bestärkt werden. Der Intensivkurs zum Thema „Du bist falsch“ entlässt nun erst recht verstörte Kinder, die womöglich in ihrem Wunsch bestärkt wurden, den Körper trans-medizinisch so anzupassen, dass er vermeintlich besser in die Welt passt. Das ist Beihilfe zur Selbstverstümmelung, unterstützt von der evangelischen Kirche, aber sicher nicht mit Gottes Segen.